Am 27. April wurde die erste Tranche (160'000 CHF) des gesammelten Geldes (Together-now.ch) an Menschen ausbezahlt, die durch die Konsequenzen der Corona-Krise in finanzielle Not geraten sind und keine anderen Unterstützungsmöglichkeiten hatten. Wie entschieden wurde, an wen und wie viel Geld ausbezahlt wurde, findet sich hier auf dieser Seite. Informationen auf dieser Seite werden laufend angepasst z.B beim auszahlen einer zweiten Tranche (Mai 2020).

Entscheidung Anträge und Auszahlungen

Wie wurde über die Anträge entschieden?

Anhand eines im Antragsformular eingebautem Punktesystems wurden alle eintreffenden Anträge auf ihre Dringlichkeit eingestuft. Dabei wurde die Dringlichkeit (ich brauche jetzt finanzielle Hilfe, in einem Monat oder später) sowie der finanzielle Bedarf berücksichtigt. Alle eingegangenen Anträge wurden demselben System unterzogen und beurteilt.

In einem zweiten Schritt wurden die offenen Textfelder von zwei unabhängigen Teams ausgewertet. Bei dieser Auswertung waren die vorherigen Angaben nicht ersichtlich um das die Beurteilung nicht zu beeinflussen. Bis auf zwei kleine Abweichungen hatte diese Auswertung keine Auswirkungen auf die zuvor beurteilte Dringlichkeit (Selbstdeklaration der Antragstellenden)

Wie wurde das Überbrückungseinkommen berechnet?

Das effektiv ausbezahlte Überbrückungseinkommen wurde aus dem Bedarf, minus dem Betrag der jede und jeder selber aufbringen konnte, berechnet. Der Maximalbetrag pro Person beträgt 2'500 CHF. Resultiert ein Fehlbetrag, der grösser als 2’500 CHF ist und gibt es Kinder im Haushalt, wird zusätzlich pro Kind 625 CHF ausbezahlt. 

Wie viele Anträge wurden gestellt?

Per 27. April sind insgesamt 255 Anträge eingegangen. Davon weisen 78 eine hohe und 50 eine gemässigte Dringlichkeit auf. Alle andern haben das Antragsformular frühzeitig beendet resp. endeten Anhand ihrer eigenen Angaben in einem Strang, wo sie auf andere Unterstützungsmöglichkeiten von Bund, Kantone und anderen Hilforganisationen hingewiesen wurden.

Wie viel Geld wurde bis jetzt ausbezahlt und wann?

Eine erste Tranche an Überbrückungseinkommen wurden am 27. April ausbezahlt. Es konnten 78 Personen berücksichtigt werden. Alle diejenigen, die eine Dringlichkeit von innerhalb zwei Monaten angegeben haben. Die Gesamtsumme der ersten Tranche beläuft sich auf 160’009 CHF.

Wann wird es eine zweite Tranche geben?

Voraussichtlich Mitte Mai 2020, am Ende der Crowdfunding-Sammelzeit. 

 

Wer hat Überbrückungseinkommen erhalten (generelle Auswertung)?

Mehrheitlich Menschen deren finanzielle Situation so gravierend wurde, dass sie nicht auf offizielle Hilfe von Bund und Kantone warten konnten. Viele darunter sind Menschen die sich erst vor kurzem oder im laufe des Jahres 2019 Selbständig gemacht haben. Da diese Verfahren teils noch hängig sind, oder sie noch keinen definitiven Abrechnungsentscheid bei der zuständigen Ausgleichskasse vorliegen haben, wurde ihre Situation schnell existenziell bedrohend. Es gibt auch viele Menschen unter den Antragstellenden die mit sehr wenig finanzielle Mittel auskommen müssen/wollen. Ihre Situation hatte sich durch diesen «lockdown» innert Wochen zu prekären Umständen entwickelt. Das sind nicht nur «Arme Leute», sondern auch Menschen die bewusst ihren Konsum und Bedarf auf tiefem Niveau halten und so automatisch kein grossen finanziellen Reserven anlegen und horten. 

Es gibt auch Fälle von Studierenden, die von Angehörigen unterstützt wurden, welche nun diese Unterstützung aufgrund Krise nicht mehr leisten können. 

 

Was uns die Anträge aufzeigen?

Keine Nothilfe für Selbständige die bisher wenig verdient haben?

Anscheinend verfahren die Kantone zumindest teilweise mit einem Einkommens-Threshold beim Anspruch auf Nothilfe für Selbständige. Sprich: Wer z.B. in Zürich das Minimum von 25'000 CHF Jahreseinkomen nicht erreicht hat, hat nun kein Anrecht und kriegt eine Absage. Dies ist bei unseren Antragsstellenden effektiv so eingetreten. Wir empfinden dies als nicht angemessen, da auch gerade Selbständige in prekären Situationen und tiefen Einkommen nun auf Hilfe angewiesen sind.

 

Personen auf dem Weg in die Selbständigkeit wurden vergessen

Für die Anmeldung als Selbständigerwerbende müssen umfangreiche Kriterien bereits erfüllt sein. So muss zum Zeitpunkt der Anmeldung ein breiter Kundenstamm bereits bestehen, Geschäftsräume bereits gemietet und das Eigenkapital bereits investiert sein. Entsprechend befindet sich eine beachtliche Anzahl Menschen auf dem Weg, diese Kriterien zu erfüllen - was bereits vor März 2020 anspruchsvoll war. Der Bund und die AHV verkennt auf Anfrage die Realität vieler dieser Menschen indem sie davon ausgehen, dass diese Anforderungen im Rahmen eines vorgehenden Anstellungsverhältnis erfüllt werden können - sie verweisen dabei auf das Szenario eines Treuhänders, der bei seinem bisherigen Arbeitgeber seinen persönlichen Kundenstamm und Kapital aufbauen kann. Dass dies für unzählige Selbständige, die mit kleinen einmaligen "Gigs" ihre selbständige Karriere lancieren nicht zutrifft geht vergessen. Diese Betroffenen, welche bereits vor März 2020 sehr schlecht geschützt waren, werden bisher vom Bund ignoriert - Gleiches gilt für die Temporärarbeit.

 

Selbstständige der Risikogruppe

Am Montag 16.3 hat der Bundesrat bekannt gegeben, das Risikogruppen nicht mehr zur Arbeit erscheinen müssten und, falls Home-Office nicht möglich sei, ihr Lohn dennoch garantiert werde. Dies wurde für Menschen in einem Angestelltenverhältnis vorerst mit Kurzarbeit gelöst. Für selbständig Erwerbende, die Teil der Risikogruppe sind und deshalb ihre Arbeit nicht mehr verrichten können, fehlt es jedoch noch an einer Lösung.

Es wird vom SVA St.Gallen explizit erwähnt, dass ein Anspruch auf Corona-Erwerbsersatz nicht entsteht, wenn der Erwerbsausfall auf die Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe zurückzuführen ist. Die betroffenen Personen werden auf den Überbrückungskredit hingewiesen, welcher wohl als Auffangbecken für alle noch nicht gelösten Probleme dienen soll.

- Beispiel: Selbständiger ü65 Gärtner

- Beispiel: Künstlerin und MS Patientin

 

Indirekt betroffene Selbständige

Der Bundesrat hatte angekündigt, per Mittwoch 8.4. die Unterstützung der indirekt betroffenen Selbständigen zu erläutern. Nun wurde diese Frage aber noch nicht geklärt und ein wesentlicher Teil unserer Anträge gehört in diese Kategorie. "Für diese Gruppe fehlt auf nationaler Ebene weiterhin eine Lösung." (Zitat Solzialdepartement Stadt Zürich). Das hier bald Hilfe geboten wird bleibt zu vermuten.

Am 16. April wurde dann informiert in Sache indirekt betroffene Selbständige. Alle Selbständigerwerbende - unabhängig der Brachen - können auf Hilfe zählen. Voraussetzung ist eine selbständige Tätigkeit (bei einer Ausgleichskasse angemeldet) mit einem Jahreseinkommen von 10’000 bis 90’000 CHF. Dieses Hilfspaket ist gut und wichtig, kam aber für viele Antragstellende bereits zu spät, besonders mit Hinblick auf eine Auszahlung per 11. Mai 2020. Dazu kommt, keine klaren Informationen wie viel das dann effektiv in Cash ausmacht. Die Berechnungen sind entsprechend dem gemeldeten Jahresumsatz, maximal aber 196 CHF / Tag. Immerhin wurde die Hilfe rückwirkend ab 16. März (start lockdown) für zwei Monate versprochen.